Interview

08.04.2019

BAUMA 2019: 5 Fragen an unseren Head of Sales Rail & Industrial Vehicles Felix von Borck

Die weltgrößte Messe für Baumaschinen, Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen, Baufahrzeuge und Baugeräte öffnet heute in München ihre Pforten. Wir haben Felix von Borck gefragt, worauf er sich bei der bauma dieses Jahr besonders freut.

1. Warum besuchen Sie die bauma 2019?

Im Industriefahrzeugbereich hat ein Trend in Richtung emissions- und geräuscharmer innerstädtischer Baustellen begonnen. Auf der bauma 2019 zeigt sich dies im Angebot der Hersteller, wie z.B. bei Hitachi, Volvo oder Kiesel, die angefangen haben rein elektrische Arbeitsmaschinen vorzustellen. Dieses Jahr interessiert mich besonders, dass mit „Nachhaltigkeit im Mining als Chance“ elektrifizierte Bergbaumaschinen zum Schwerpunktthema gemacht werden. In diesem Bereich stellen wir zurzeit Batteriesysteme für Bagger, Radlader und anderen Arbeitsmaschinen her.

2. Welche Anforderungen stellen Bergbaumaschinen an Batteriesysteme?

Da gibt es drei Schlagworte: Zuverlässigkeit, Langlebigkeit, Sicherheit. Bei Lastern, die täglich bis zu 18 Stunden im Einsatz sind, kommen noch Zyklenstabilität und hohe Ladeleistung hinzu.

Im Alltag bedeuten die Anforderungen an Bergbaumaschinen, dass sie unter extremen Bedingungen bei hoher Leistung für lange Zeit zuverlässig im Einsatz sein müssen, ob das nun in der kanadischen Wildnis im Untertagebau bei Tagestemperaturen von -40°C ist oder im Tagebau in Dubai bei +40°C.

Um in diesen komplizierten Bereichen die nötigen Standards zu erreichen, bedarf es viel Erfahrung und einem hohen Produktreifegrad. Den haben nicht viele. Wir befinden uns seit fast 30 Jahren in der Elektromobilität, und die Batteriesysteme, die wir heute in großer Stückzahl produzieren, befinden sich seit über acht Jahren im Feld. Bei AKASOL haben wir also viele Generationen dieser Technologie durchlaufen und somit viele Möglichkeiten gehabt, unsere Technologie bis ins kleinste Detail auf diese extremen Anforderungen zu optimieren.

3. Was bedeuten diese hohen Anforderungen für die Kosten?

Der Bergbau, besonders der Untertagebau, ist einer der Anwendungsbereiche, in denen man es sich am wenigsten leisten kann zu sparen. Folgekosten genießen hier eine ganz andere Aufmerksamkeit als in vielen anderen Bereichen. Eine Batterie mag bei der Anschaffung doppelt so viel kosten wie eine andere Batterie, aber insgesamt können ihre Kosten aufgrund ihrer hohen Verfügbarkeit und langen Lebenszeitdauer bei einem Zehntel oder sogar einem Zwanzigstel liegen.

Wenn man bedenkt, dass die Produktivität einer Mine analog zum Wert des geförderten Gesteins ist, wird klar, dass jede Stunde, die ein Werker nicht arbeiten kann, weil sein Fahrzeug nicht fährt oder weil Dieselabgase entfernt werden müssen, nicht nur den Stundenlohn des Werkers kostet, sondern auch das Gold oder andere Gestein, welches man nicht aufs Förderband transportiert hat.

Zudem muss im Untertagebergbau für jedes dieselmotorisch betriebene Industriefahrzeug durch die sogenannte Bewitterung untertage eine bestimmte Menge an Frischluft bereitgestellt werden. Die Bereitstellung der benötigten Luftmenge, kostet viel Aufwand sowie Energie. Weiterhin werden zunehmend gesetzliche Vorgaben entwickelt, die dem gesundheitlichen Schutz der Werker dienen und somit auch saubere Baumaschinen befürworten.

4. Wie begegnen elektrische Batterien im Bergbau dem Thema Sicherheit?

Natürlich gibt es auch bei dieselbetriebenen Maschinen viele Sicherheitsvorkehrungen, aber die elektrische Batterie erhält als neue Technologie eine besondere Aufmerksamkeit. Bei unserem AKASYSTEM AKM 46 POC gibt es zwei Besonderheiten bezüglich der Sicherheit. Erstens gibt es in der Zelle selbst eine Beschichtung des Aktivmaterials, welches die Sicherheit erhöht, sowie einen keramischen Separator. Zweitens enthält unser Batteriemodul einen Brandausbreitungsschutz: sollte eine Zelle Feuer fangen, weil sie einen internen Kurzschluss hat oder weil sie überladen wird und die Elektronik dies nicht erkannt hat – ein Fehlerfall, der bei den Tausenden von Batterien die wir im Feld haben noch nie vorgekommen ist – dann würden von den 180 Zellen, die im Edelstahlcontainer verbaut sind, nur zwei brennen. Danach ist der Brandausbreitungsschutz aktiv und die weitere Ausbreitung wird gestoppt.

5. Wie geht es mit der Elektrifizierung im Bereich Baumaschinen weiter?

Wenn in den nächsten Jahren der Nachweis erbracht sein wird, dass elektrische Fahrzeuge mindestens genauso zuverlässig arbeiten können wie ihre Vorgänger mit Verbrennungsmotoren und man feststellt, dass die Vollkosten einer Baustelle sich nicht wesentlich ändern, nur weil man für die Arbeitsmaschinen deutlich höhere Investitionskosten hat, dann wird in drei Jahren auf der bauma 2022 vermutlich jeder Hersteller mindestens eine elektrische Maschine im Programm haben. Verkaufszahlen, zumindest in Europa, werden vermutlich fast im zweistelligen Prozentbereich sein.

Die große Motivation, sich auch im Industriefahrzeugbereich mit der Elektrifizierung zu beschäftigen, ist die Einsparung fossiler Brennstoffe, von Emissionen und von Kosten sowie die höhere Flexibilität, die man bei der Leistungserweiterung und Leistungsverteilung hat.

Das einzige, was die Geschwindigkeit des Wandels noch bremst, ist die große Komplexität dieser Maschinen und die geringe Erfahrung, die Hersteller mit Batterien haben. AKASOL stellt all seinen Kunden 25 Jahre Erfahrung mit Elektromobilität und zehn Jahre Erfahrung mit Batteriesystemen zur Verfügung. Deshalb können wir dabei helfen, elektrische Arbeits- und Baumaschinen herzustellen, die mindestens so gut und zuverlässig wie ihre Vorgänger sind. Die elektrifizierte Baustelle wird kommen. Es ist machbar. Das was Herstellern fehlt, die nötige Erfahrung und Produktreife, das bieten wir ihnen.

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